Muckturnier

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Warum man ein Muckturnier nicht wie ein Schafkopfrennen auswerten kann

Das gestern abgehaltene 18. Muckturnier der JU Leupoldsgrün war mit sage und schreibe 92 Teilnehmern ein voller Erfolg mit guter Stimmung und tollen Preisen! Und man kann es auch gleich zum Anlass nehmen, etwas Muckturnier-Theoretisches zu schreiben. Es wurde nämlich – wohlgemerkt zum ersten Mal in 18 Jahren – über die Art und Weise der Erstellung der Rangliste, und über das „Plus-Minus“-Verfahren diskutiert.

Zunächst entschuldige ich mich vorab für die schiere Länge des folgenden Beitrags, aber kürzer kann man bezüglich des Auszählens die folgende Überschrift schlecht belegen, denn:

Mucken ist nicht Schafkopf!

Beim Preisschafkopf bzw, Schafkopfrennen wird eine definierte Anzahl an Spielen gespielt. Die Spiele werden dann entweder nach dem „Plus“- oder „Plus-Minus“-Verfahren aufgeschrieben. Das heißt, es werden dem Gewinner (nach „Plus“) einfach die Punkte für die gewonnenen Spiele gutgeschrieben und der Verlierer bekommt keine, oder es werden dem Verlierer zusätzlich (nach „Plus-Minus“) die gewonnenen Punkte des Siegers abgezogen. Bobbl gibt es beim Schafkopf bekanntermaßen nicht.

Jetzt spielt man ja aber beim Mucken Bobbl, und es geht um das Gewinnen derselben. Daraus resultiert auch der Auszählmodus, der bei allen mir bekannten Muckturnieren und deswegen auch im Muckturnier-Programm zum Einsatz kommt:

Wer die meisten Bobbl gewonnen hat, der hat auch den 1. Platz. Das Paar mit den wenigsten gewonnenen Bobbln landet auf dem letzten. Da es oft Bobbl-Gleichstand gibt, sieht man sich in diesem Fall die in den verlorenen Bobbln erreichten Punkte an („geschossene Tore“, je mehr, desto besser), und bei einem Gleichstand von Bobbln und Toren als letztes objektives Maß noch die Punkte, die die Gegner in den jeweils gewonnenen Bobbln erreicht haben („gegnerische geschossene Tore“, je weniger, desto besser).

Nun wird aber mitunter scheinbar der Schafkopf-Auszählmodus „Plus“ oder „Plus-Minus“ benutzt, um ein Muckturnier auszuwerten. Aber ist das sinnvoll, wo es doch beim Schafkopf keine Bobbl gibt?

Vergleich der Auszählverfahren

Sehen wir uns ein Beispiel an. Hierfür möchte ich die den Test-Datensatz für feste Paare heranziehen, den das Quellcode-Paket des Muckturnier-Programms mitbringt. Die erste Runde mit nur sechs Paaren genügt schon.

Hier sind die auszuwertenden Ergebnisse:

Paar1. Bobbl2. Bobbl
Berta / Else2120 ●
Erwin / Franz4 ●21
Fritz / Hans2121
Heidi / Horst11 ●17 ●
Karl / Monika2113 ●
Sabine / Uschi20 ●21

Wertung von Bobbln, Toren und gegnerischen Toren

Zählt man nach Bobbln, Toren und gegnerischen Toren aus, erhält man folgende Rangliste:

PlatzPaarBobblToreGegn. Tore
1.Fritz / Hans2028
2.Berta / Else1204
3.Sabine / Uschi12013
4.Karl / Monika11320
5.Erwin / Franz1420
6.Heidi / Horst0280

Wie sieht es nun bei den Schafkopf-Auszählverfahren aus?

„Plus“-Wertung

Man könnte davon ausgehen, dass die „Plus“-Wertung in der selben Rangliste resultieren müsste, wie das Zählen von Bobbln und Toren, da man ja für einen Bobbl auch genausogut die Punkte schreiben könnte, die er repräsentiert. Und das ist ja immer mindestens einer mehr, als die potenziellen Punkte der Gegner.

Das Problem ist, dass die Bobbl-Punkte und die Punkte aus den verlorenen Bobbln aufaddiert und nicht mehr unterschieden werden. Ob man den Bobbl gewonnen hat oder nicht bleibt also unberücksichtigt. Die Möglichkeit, nach gegnerischen Toren zu differenzieren, besteht ebenfalls nicht. Schreibt man die gewonnenen Bobbl als Punkte und addiert die geschossenen Tore dazu, ergibt sich folgende Rangliste:

PlatzPaarPunkte
1.Fritz / Hans42
2.Berta / Else41
2.Sabine / Uschi41
4.Karl / Monika34
5.Heidi / Horst28
6.Erwin / Franz25

Platz 2 gibt es zwei Mal, da wie gesagt die gegnerischen Tore bei der „Plus“-Wertung nicht berücksichtigt werden können. Aber was das deutlich gewichtigere Problem ist: Platz 5 und 6 sind vertauscht, weil das das Paar „Heidi / Horst“ viele Tore hat. Und jetzt ist „Erwin / Franz“ auf einmal auf dem letzten Platz, obwohl das Paar einen Bobbl gewonnen hat und „Heidi / Horst“ keinen!

Angesichts der Tatsache, dass es beim Mucken ums Gewinnen von Bobbln geht, scheint mir dieser Auszählmodus wenig geeignet für das Auswerten eines Muckturniers zu sein. Schließlich will man ja den Bobbl dem Verlierer nicht nur aus Spaß hinmalen.

„Plus-Minus“-Wertung

Da die „Plus-Minus“-Wertung etwas unübersichtlicher ist, als die „Plus“-Wertung, möchte ich zunächst die Auswertungstabelle für den genannten Beispielfall zeigen:

Paar1. Bobbl2. BobblSumme
Berta / Else+21-4+20-21+16
Erwin / Franz+4-21+21-20-16
Fritz / Hans+21-11+21-17+14
Heidi / Horst+11-21+17-21-14
Karl / Monika+21-20+13-21-7
Sabine / Uschi+20-21+21-13+7

Auch die Rangliste sieht bei der „Plus-Minus“-Wertung etwas anders aus, als bei der „Plus“-Wertung:

PlatzPaarPunkte
1.Berta / Else+16
2.Fritz / Hans+14
3.Sabine / Uschi+7
4.Karl / Monika-7
5.Heidi / Horst-14
6.Erwin / Franz-16

Nicht nur, dass das selbe Problem mit den beiden letzten Plätzen wie bei der „Plus“-Wertung auftritt – es sind hier auch noch die ersten beiden Plätze vertauscht, obwohl das Paar „Fritz / Hans“ als einziges zwei Bobbl gewonnen hat und das Paar „Berta / Else“ nur einen!

Offensichtlich krankt die „Plus-Minus“-Wertung noch auffälliger am selben Problem, wie die „Plus“-Wertung: Sie berücksichtigt gewonnene Bobbl nicht. Für das Auswerten eines Muckturniers taugt sie also genauso wenig.

Fazit

Das Aufstellen der Rangliste nach den gewonnenen Bobbln und geschossenen Toren ist ein verbreitetes und etabliertes Verfahren. Es resultiert in einer Rangliste, die dem Spiel Mucken mit seinem integralen Konzept der Bobbl Rechnung trägt. Es ist objektiv, fair und transparent und wird seit jeher im Muckturnier-Programm angewandt; seit Version 0.7.3 auch unter Berücksichtigung der gegnerischen Tore zur weiteren objektiven Differenzierung.

Die beiden vom Schafkopfrennen bekannten Auszählverfahren „Plus“ und „Plus-Minus“ berücksichtigen das Bobbl-Konzept beim Mucken nicht (was wenig verwunderlich ist, da diese Verfahren ja auch für ein anderes Spiel gedacht sind) und eignen sich folgerichtig nicht zum Auswerten eines Muckturniers: Es gewinnt bzw. verliert hier nicht zwingend das Paar, das die meisten bzw. wenigsten Bobbl gewonnen hat.

Unterm Strich sollte man einfach nicht außer Acht lassen, dass Mucken zwar dem Schafkopf ähnelt und evtl. auch daraus entstanden ist, aber es sich um ein eigenständiges Spiel handelt. Man kann Auszählverfahren vom Schafkopfrennen nicht 1 zu 1 auf ein Muckturnier übertragen.

Weil wie gesagt: Mucken ist nicht Schafkopf!